Qualitätsstandard: DIN ISO 29990
Sitz des DIN in Berlin. Foto: Standardizer
Qualitätsstandards haben sich in vielen Branchen und Berufen durchgesetzt. Insbesondere Deutschland genießt weltweit einen sehr guten Ruf durch die hohe Qualität seiner Produkte, Prozesse und Dienstleistungen.
Normen erleichtern das Leben, wie ich kürzlich schrieb, und senken Kosten, da nicht jeder das Rad neu erfinden muss. Zur Aus- und Weiterbildung gibt es seit Dezember 2010 eine neue Norm: Die DIN 29990.
Das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) in Berlin erfüllt hierbei sehr wichtige Aufgaben. Sei es bei der Ausarbeitung neuer Normen oder der Umsetzung internationaler Standards der Internationalen Organisation für Normung (ISO).
Zwei Normen
Aus arbeitspsychologischer Sicht sind bisher vor allem zwei Normen von besonderem Belang:
- die DIN EN ISO 10075: Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung”, und die
- die DIN 33430: Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen.
Über die DIN EN ISO 10075 und seine drei Teile erfahren Sie hier mehr; zur DIN 33430 gibt es ebenfalls einen kurzen Text sowie ein von Klemens Consulting realisiertes Webportal: www.din33430.net.
Aktuell
Aktuell zur DIN EN ISO 10075: Der Workshop “Psychische Belastung und Beanspruchung” mit 80 Teilnehmern am 20. Januar 2011 in Berlin.
“Die psychische Belastung und Beanspruchung der Mitarbeiter hat in den Betrieben durch Veränderungen in den technischen und organisatorischen Arbeitsbedingungen in den zurückliegenden Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Dies zeigt allein ein Blick ins Internet: die Anzahl an Einträgen zum Thema “psychische Belastung” ist um ein vielfaches höher als zu anderen relevanten arbeitsbezogenen Herausforderungen, wie z.B. Muskel-Skelett-Erkrankungen.”
Neue DIN für die Aus- und Weiterbildung
Nun hat das Deutsche Institut für Normung im Dezember 2010 eine weitere Norm veröffentlicht, die den Human Resources Bereich stark betrifft.
Die DIN ISO 29990: Lerndienstleistungen für die Aus- und Weiterbildung – Grundlegende Anforderungen an Dienstleister.
Auf 24 Seiten stellt diese Norm die deutsche Ausgabe der internationalen Norm “Learning services for non-formal education and training” dar, die das Komitee ISO/TC 232 erarbeitet hat. Welches Ziel hat die Norm?
In der Einleitung steht:
“Das Ziel dieser internationalen Norm ist die Schaffung eines allgemeinen Qualitätsmodells für die berufliche Praxis und Leistungserstellung sowie eine gemeinsame Referenz für Lerndienstleister (LDL) und ihre Kunden zur Planung, Entwicklung und Durchführung von Aus- und Weiterbildungen sowie zur Förderung von Entwicklung.”
Kompetenz der Lerndienstleister im Zentrum
Die DIN 29990 zielt auf die Kompetenz der Lerndienstleister und unterstützt Organisationen und Individuen bei der Auswahl geeigneter Anbieter.
Ein Lerndienstleister ist eine Einzelperson oder Organisation, die Lerndienstleistungen auf dem Gebiet der Aus- und Weiterbildung anbietet einschließlich aller Unterauftragnehmer. Unterauftragnehmer sind beispielsweise unabhängige Vertragspartner, wie Ausbilder, Unterrichtsplaner, Evaluatoren, Projektleiter oder Berufsberater.
Lerndienstleister können sich nach der DIN 29990 zertifizieren lassen. Beispiele für Lerndienstleistungen sind die Berufsausbildung, das lebenslange Lernen und innerbetriebliche Trainings (außerhalb oder im Unternehmen).
Enge Bezüge zwischen dieser Norm bestehen mit anderen von der ISO herausgegeben Managementsystemen, wie der ISO 9001.
Inhalt der Norm
Die Norm gliedert sich in folgende Bereiche:
- Vorwort und Hinweise auf andere Normen
- Einleitung
- 1 Anwendungsbereich
- 2 Begriffe (2 ½ Seiten)
- 3 Lerndienstleistungen (4 Seiten)
- 4 Management des Lerndienstleisters (3 Seiten)
- Anhänge A bis E (informativ, 9 Seiten) und Literaturhinweise
Worin liegt der Nutzen der Norm zur Aus- und Weiterbildung?
Wie jede Norm werden wichtige Begriffe definiert und geklärt: Dies dient der reibungslosen und schnellen Kommunikation zwischen den Beteiligten, was Konflikte mindert.
Abschnitt 3 beschreibt das Bestimmen des Lernbedarfs, das Gestalten, das Erbringen und das Monitoring von Lerndienstleistungen sowie die Evaluation durch Lerndienstleister. Damit bietet dieser Teil eine bewährte Leitlinie, wie die Qualität von Lerndienstleistungen sichergestellt oder verbessert werden kann.
Der Abschnitt 4 benennt Regeln für das Management des Lerndienstleisters. Damit wird die Qualität in der Aus- und Weiterbildung zu einer der obersten Managementaufgaben. Die einzelnen Anforderungen hier tragen entscheidend dazu bei, um die Qualität des Anbieters und damit sein Überleben im Wettbewerb auf einem großen Markt zu verbessern.
Die Anhänge A bis E machen konkrete Angaben, um die Norm in der Praxis umzusetzen.
Kritik
Kritisch zu sehen ist, dass mit der DIN ISO 29990 kleinere Anbieter und Einzelpersonen benachteiligt werden können. Zudem entsteht erheblicher Aufwand in Form von Zeit und Kosten, die Norm ordnungsgemäß umzusetzen und die geforderten Dokumentationen zu erbringen. Weiter gibt es zahlreiche Überschneidungen mit der ISO 9001, wie die Cross-Reference im Anhang E zeigt.
Fazit
Die Zukunft wird zeigen, wie schnell sich diese Norm am Markt durchsetzen kann und als Qualitätsmerkmal von Einkäufern und Lernwilligen wahrgenommen werden wird.
Tipp
Eine Seminarevaluation ist ein wichtiger Schritt hin zur Umsetzung der DIN 29990 und bietet für Sie als Veranstalter, Dozent, Trainer und Coach weitere Vorteile. Welche das sind und wie eine Seminarevaluation als Online-Befragung aussieht, erleben Sie hier.
Tags: Aus- und Weiterbildung, DIN, DIN 33430, DIN ISO 29990, EN ISO 10075, Lerndienstleister, Norm, Psychische Belastung, Qualitätsstandard
This entry was posted on Mittwoch, April 6th, 2011 at 18:33 and is filed under Artikel, Qualitätsstandard. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
